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Zum Verhältnis von Ökologie und Ökonomie

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Gemäß einem Klassiker der Nationalökonomie ist unter dem Begriff “Ökonomie”, der hier gleichbedeutend mit dem Begriff “Wirtschaftswissenschaft” verwendet wird, folgendes zu verstehen:

 

“Die Wirtschaftswissenschaft beschäftigt sich mit der Frage, wie wir unsere Entscheidungen hinsichtlich des Einsatzes
knapper Ressourcen mit alternativer Verwendbarkeit für die Produktion verschiedener Güter treffen.”[1]

(Paul Anthony Samuelson)

 

Wie sich zeigt, erfolgt bei dieser Definition der Ökonomie von Paul Anthony Samuelson weder eine Normsetzung, die bestimmt, welche Art von Bedürfnissen in welchem Ausmaß anzustreben sind, noch geht es um den Inhalt von moralischen Normen, einer bestimmten Weltanschauung oder um ein umfassendes Menschenbild.

Die Ökonomie gibt keine Auskunft über Ziele des menschlichen Daseins jenseits von Bedürfnisbefriedigung, Gier und Neid.[2]

Und sie bestimmt auch nicht, welche Güter knapp oder frei sind (und erst Knappheit bedingt wirtschaftliches Handeln). Die Ökonomie zeigt nur einen Weg, wie effizient mit knappen Gütern umgegangen wird und hilft dabei, Verschwendung zu vermeiden.

Das ökonomische Prinzip bzw. das Wirtschaftlichkeitsprinzip als solches sind zunächst neutral, weil nicht näher darauf eingegangen wird, aus welchen ethischen Gründen bestimmte Ziele verfolgt werden.[3] Es wird nur davon ausgegangen, daß sie verfolgt werden.

Die Bedürfnisse an sich werden ebenfalls wertfrei gehandhabt. Der Ökonomie fällt in diesem Zusammenhang die Aufgabe zu, Verhaltensaussagen für den Fall zu treffen, daß ein Individuum rational seinen Nutzen oder seinen Gewinn maximieren will.

Die maximale Ausschöpfung der in einer Situation vorhandenen Möglichkeiten steht im Vordergrund. Und auch der Markt als solcher sagt ethisch nichts darüber aus, wohin der Weg gehen soll - er stellt aber die effizientesten Mittel zur Verfügung, um ein Ziel zu erreichen.[4]

Die Ökonomie liefert ein Instrumentarium, um ein Bedürfnis so effizient wie möglich zu befriedigen bzw. ein Ziel zu erreichen.

Dagegen könnte eingewendet werden, daß die Ökonomie dem Menschen z.B. bei der Befriedigung von umweltunfreundlichen Bedürfnissen maximal behilflich ist. Das wäre sie aber auch, wenn Umweltziele maximiert werden sollten.

Das Gewinnstreben (Nutzenmaximierung) an sich ist wertneutral, denn es wird nichts darüber ausgesagt, wie der Gewinn zu verwenden ist. Der Gewinn könnte ja auch für soziale oder Umweltzwecke verwendet werden. Wäre das höchste Bedürfnis der Menschheit eine “gesunde Umwelt”, was könnte dann gegen eine Maximierung dieses Zieles sprechen?[5]

So lange aber wirtschaftliche Rahmenbedingungen fehlen, welche die Marktprozesse entsprechend steuern und regeln, liegt im Bereich des Umweltschutzes Marktversagen vor.

Der Ökonomie als Wissenschaft könnte also nicht angelastet werden, daß z.B. die Möglichkeiten im Falle der schädlichen Nutzung der natürlichen Umwelt zu groß sind.

Genau hier liegt die Funktion der Ethik, der philosophischen Disziplin, die ihrer Definition nach - geleitet von der Idee eines sinnvollen menschlichen Lebens - nach allgemein gültigen Aussagen über das gute und gerechte Handeln sucht.[6]

Als Bindeglied zwischen Ökonomie und Ökologie kann die Ethik darauf hinweisen, daß der Mensch nicht alle seine technischen und ökonomischen Möglichkeiten ausnutzen darf und kann Auskunft darüber geben, welche Bedürfnisse ethisch vertretbar sind, oder anders gesagt, was der Mensch wollen soll.

Impulse für die Entwicklung einer Umweltethik von Unternehmen, Konsumenten und dem Staat müssen dabei von beiden Disziplinen - der Ethik wie auch der Ökonomie - ausgehen.[7]

Genauso wie die Ethik als Wissenschaft den Einfluß ihrer Begründungen auf die tatsächlich gelebte Moral untersuchen muss, genauso muss auch die Ökonomie die Konsequenzen des Wirtschaften für die natürliche Umwelt analysieren.

Die Ökologie - als die Wissenschaft, die sich sowohl mit den Wechselbeziehungen zwischen den Organismen, als auch zwischen unbelebter und belebter Umwelt befaßt[8] - liefert die Bedingungen für den Erhalt der natürlichen Umwelt.

In diesem Interessenkonflikt die Frage zu stellen, welcher Disziplin die größere Bedeutung zukommt, ob der Ökologie, der Ethik oder der Ökonomie, macht allerdings wenig Sinn. Ebenso könnte die Frage gestellt werden, welchem Bein an einem dreibeinigen Stuhl die größere Bedeutung zukommt. Zwischen den drei Disziplinen herrscht eine gegenseitige Abhängigkeit:

Ohne die Ökonomie, die für ein funktionierendes Wirtschaftssystem zu sorgen hat, verlieren ethische und ökologische Fragen irgendwann einmal an Bedeutung, weil für die Menschen Überlebensfragen in den Vordergrund treten. Die Funktionsfähigkeit des Wirtschaftssystems muß also erhalten bleiben.

Aber: Umweltschutz kostet Geld und Umweltschutz muß man sich leisten können. Wie z.B. die Erfahrungen in der Planwirtschaft in Ostdeutschland und Osteuropa (ehemalige Sowjetunion) gezeigt haben, kann es ohne ein funktionierendes Wirtschaftssystem auch keinen Umweltschutz geben.

Andererseits ist auch die Ökonomie auf die Ethik und die Ökologie angewiesen:

Die Ökologie sorgt für den langfristigen Erhalt der Produktionsgrundlagen, die letztlich Existenzvorausetzung jeglichen Wirtschaftens sind.

Der Ethik (und ihrer Unterdisziplin der Umweltethik) kommt die Aufgabe zu, der Ökonomie Grenzen zu setzen, ohne die sie sonst zur ökologischen Selbstvernichtung des Menschen führen würde.

Idealerweise gibt die Umweltethik Orientierungshilfe bei der Gewichtung von menschlichen Bedürfnissen, um wirtschaftliche Rahmenbedingungen unter ökologischen Gesichtspunkten erarbeiten zu können.

Die Ökonomie liefert dann das Instrumentarium zur effizienten Bedürfnisbefriedigung im Rahmen der von der Umweltethik vorgegebenen “Spielregeln”.

Damit kann Umweltethik - an der Schnittstelle zwischen Ethik und Ökonomie - auch als Mittel und Lösung gegen Marktversagen im Bereich des Umweltschutzes verstanden werden, um die Zerstörungswirkungen des nicht eingeschränkten ökonomischen Prinzips zu begrenzen.

Denn wie es scheint, hat der Mensch mit der effizienzsteigernden Ökonomie (Wirtschaftswissenschaft) ein Werkzeug in die Hand bekommen, das er (noch) nicht verantwortungsvoll zum Wohle der natürlichen Umwelt gebrauchen kann.

 

Zu den Funktionsbedingungen von Wirtschaftssystemen und der Bedeutung globaler Umweltschutz-Bestimmungen:

 

» Marktwirtschaft und Marktversagen

» Globalisierung und Umwelt

» Rolle der Entwicklungsländer

 

 

[1] Samuelson, Paul Anthony, Nordhaus, William D. (1987), Volkswirtschaftslehre, Bd.1, 8. Aufl., Köln, S.44.

[2] Vgl. v. Weizsäcker, Ulrich Ernst/ Lovins, Amory B./ Lovins, L. Hunter (1996), Faktor vier: Doppelter Wohlstand - halbierter Naturverbrauch, Der neue Bericht an den Club of Rome, München, S.333.

[3] Anmerkung: Das ökonomische Prinzip bzw. das Wirtschaftlichkeitsprinzip bezeichnet das Streben, mit einem gegebenen Aufwand den größtmöglichen Ertrag zu erwirtschaften oder für einen gegebenen Ertrag den geringstmöglichen Aufwand einzusetzen. Vgl. dazu auch Humboldt-Wirtschafts-Lexikon (1992), München, S.285.

[4] Vgl. Schmidheiny, Stephan mit dem Business Council for Sustainable Development (1992), Kurswechsel: Globale unternehmerische Perspektiven für Entwicklung und Umwelt, München, S.46.

[5] Anmerkung: wobei vorab zur Vermeidung von Interessenkonflikten zwischen Ökonomie und Umwelt zu klären wäre, was genau unter einer gesunden Umwelt zu verstehen ist.

[6] Vgl. Höffe, Otfried (1992), Lexikon der Ethik, 4. Aufl., München, S.62.

[7] Anmerkung: Wobei der Staat sowohl Konsument als auch Unternehmer ist. Einmal als Anbieter und einmal als Nachfrager von Gütern.

[8] Vgl. Definition im Humboldt-Wirtschafts-Lexikon (1992), München, S.284.

 

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