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2) Beispiel Seattle

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Beispiel für eine angewandte holistische Umweltethik - Indianer Häuptling Seattle

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Das Naturverständnis bestimmter Indianerstämme vor der Eroberung des nordamerikanischen Kontinents durch weiße Siedler kann als holistische Lebensform verstanden werden:

Im Jahre 1855 unterbreitete der 14. Präsident der Vereinigten Staaten den Duwamish und Suquamish, einem mittlerweile ausgestorbenem Indianervolk im heutigen Bundesstaat Washington, das Angebot, ihr Land weißen Siedlern zu verkaufen und sich in ein Reservat zurückzuziehen.[1]

Glaubt man den Überlieferungen, dann war den Indianern zu dieser Zeit diese Vorstellung fremd. Sie verstanden nicht, wie man überhaupt Land kaufen und verkaufen kann.

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Chief Häuptling Seattle

Häuptling Seattle (1786-1866) um 1860

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Entsprechend soll Seattle, der Häuptling der Duwamish, in seiner Rede an den “großen Häuptling der Weißen” seine Verwunderung zum Ausdruck gebracht haben:

“Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht besitzen - wie könnt Ihr sie dann von uns kaufen? (...) Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns”.[2]

Den Indianern war jeder Teil der Erde heilig, “jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jedes summende Insekt.”[3]

Die Duwamish teilten die holistische Betrachtungsweise, wonach Menschen, Tiere, Pflanzen und unbelebte Natur auf einer Stufe stehen:

“Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der große Adler - sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys - und des Menschen - sie alle gehören zur gleichen Familie. (...) Die Flüsse sind unsere Brüder - und Eure - und Ihr müßt von nun an den Flüssen Eure Güte geben, so wie jedem anderen Bruder auch”.[3]

Denn das wissen wir, die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde - das wissen wir”.[4]

In seiner Rede an den amerikanischen Präsidenten soll Häuptling Seattle auch eindringliche Warnungen an die Weißen gerichtet haben, die aktueller sind, denn je:

“Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde; was immer den Tieren geschieht - geschieht bald auch dem Menschen. Alle Dinge sind miteinander verbunden. Was der Mensch der Erde antut, tut er sich selbst an”.[5]

Nachdenklich soll sich der Indianer-Häuptling geäußert haben: “Vielleicht könnten wir Euch verstehen, wenn wir wüßten, wovon Ihr träumt”.[6]

 

Wie es scheint, haben in den USA die Anthropozentriker die Holistiker vertrieben.

 

[1] Vgl.: Wir sind ein Teil der Erde - Die Rede des Häuptlings Seattle an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1855, Olten und Freiburg (1986), Schweiz, S.5.

[2] Ebenda, S.10.

[3] Ebenda, S.10, 11 u. 16.

[4] Ebenda, S.25.

[5] Ebenda, S.24.

[6] Ebenda, S.16.

 

 

 

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